Leitbild 2015
Einleitung
Die Evangelische Gesellschaft für Deutschland (EG) ist seit über 160 Jahren mit Jesus Christus und für ihn unterwegs und will zielbewusst in die Zukunft gehen.
Dazu soll dieses Leitbild unserem Verband für die nächsten Jahre Ansporn und Orientierung bieten und unsere Arbeit vor Ort bestimmen.
Unser Hauptziel
Die Evangelische Gesellschaft für Deutschland
- verkündigt das Evangelium von Jesus Christus allen Menschen, insbesondere in Deutschland.
- Darüber hinaus helfen wir mit, den weltweiten Missionsauftrag Jesu Christi zu erfüllen.
Das bedeutet, dass wir Menschen aller Altersgruppen und jeder Herkunft durch die Vermittlung der biblischen Wahrheit mit Gott so vertraut machen wollen, dass sie
- zum Glauben an Jesus Christus finden,
- ein neues Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes führen,
- zu verbindlichen Nachfolgern Jesu Christi werden,
- ihm in seiner Gemeinde von ganzem Herzen dienen und
- einen missionarisch-diakonischen Lebensstil verwirklichen.
Unsere Geschichte
Die EG wurde 1848 in Wuppertal durch Pastor Ludwig Feldner gegründet.
- Durch die Herausforderungen der Erweckungsbewegung des
- 19. Jahrhunderts einerseits
- und die Verelendung und Entchristlichung breiter Bevölkerungsschichten andererseits, sahen sich die Gründer von Gott aufgerufen, Deutschland zu evangelisieren.
- Durch Verkündigung des Evangeliums von Haus zu Haus, durch Schriftenmission und Gründung von christlichen Gemeinschaften breitete sich die EG schnell aus.
In den verschiedenen Phasen unserer Geschichte hat die EG
- auf immer neuen Wegen
- Menschen innerhalb und außerhalb der verfassten Kirchen auf ein persönliches Glaubensverhältnis zu Jesus Christus angesprochen und dazu eingeladen.
- Sie hat darauf hingewiesen, dass Taufe und christliche Tradition den Menschen nicht zu retten vermögen, sondern allein die persönliche Hinwendung zu Jesus Christus.
Im Kirchenkampf des Dritten Reiches und darüber hinaus bewertete die EG geistliche und politische Strömungen aus biblischer Sicht und bezog in Publikationen Stellung.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren uns besonders wichtig:
- Die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Bibelkritik Rudolf Bultmanns und Karl Barths,
- die kritische Beschäftigung mit schwarmgeistigen Tendenzen,
- die gemeindetheologischen Fragen
- und die Neubesinnung auf unseren missionarischen Auftrag.
Auch in Zukunft wollen wir einen teilnehmenden und wachsamen Blick für die Ereignisse und Entwicklungen in der Welt und in unserer Gesellschaft behalten und dazu Stellung beziehen. Dabei wollen wir uns nicht in kritischen Analysen verlieren, sondern uns in Wort und Tat für Gottes Wirklichkeit einsetzen.
Unsere Identität
Unser Leben und Arbeiten steht unter dem Leitmotiv:
Gott lieben – Menschen gewinnen – Gemeinde leben
Aus der Liebesbeziehung zu Gott heraus, die das höchste Gebot Gottes ist, widmen wir uns den Menschen, die Gott liebt, und wollen mit allen, die sich zu Jesus Christus einladen lassen, ein Gemeindeleben im neutestamentlichen Sinne verwirklichen.
Die EG betrachtet sich als Teil der weltweiten Gemeinde Jesu und arbeitet mit allen zusammen, für die der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus und Gottes Wort der Mittelpunkt in Lehre und Leben sind und die sich ohne Sonderlehren an seinem Wort orientieren.
Unsere kurz gefasste Glaubensgrundlage entspricht im Wesentlichen dem Bekenntnis der Evangelischen Allianz von 1972.
Einheitsbestrebungen, die sich der Wahrheit der Bibel entgegensetzen, stehen wir distanziert gegenüber.
Verbindlich für alle Fragen des Glaubens und Lebens ist für uns
- die Bibel als unfehlbares Wort Gottes
- und die Führung und Leitung durch den Heiligen Geist
- unter Beachtung der Anliegen der Reformation, des Pietismus und der Erweckungsbewegung.
Neben diesen genannten Merkmalen und in allen Lebensäußerungen der EG wollen wir dem entsprechen, was Jesus von seinen Leuten sagt: „An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ (Joh. 13,35).
Unser Verband
Die EG versteht sich als ein Bund von Gemeinden, deren Mitglieder und Freunde auch über die örtliche Arbeit hinaus für das Gesamtwerk Verantwortung übernehmen.
Der Verband
- steht für ein theologisches Profil, das in die Gemeinden vermittelt wird und dessen Leitlinien für die Ausübung der praktischen Arbeit verbindlich ist.
- fördert die Entstehung und Entwicklung von biblisch fundierten und missionarisch ausgerichteten Gemeinden durch theologische Schulung, fachliche Beratung und praktische Prozessbegleitung,
- koordiniert den organisatorischen Zusammenhalt, die geistliche Verbundenheit und die praktische Zusammenarbeit der Gemeinden,
- leistet die erforderlichen Verwaltungsaufgaben im Interesse des Gesamtverbandes und der Zweigvereine,
- nimmt die Vertretung des Gesamtverbandes und aller ihm angeschlossenen Gemeinden gegenüber Staat, Gesellschaft und anderen christlichen Organisationen und Kirchen wahr,
- ermöglicht die Bereitstellung von überregionalen Arbeitszweigen (z. B. EG Kolleg, Jugendwerk, Erlebnispädagogik, Arbeitsgemeinschaft Evangelisation, Gemeindeberatung), die mit ihren Angeboten Hilfestellungen und Impulse für die örtlichen Gemeindearbeiten liefern,
- übernimmt die Personalverantwortung für alle im Verband angestellten Mitarbeiter: Das beinhaltet die Berufung von Mitarbeitern und deren Entsendung in die Gemeindearbeiten oder andere Aufgabenbereiche, eine fachliche Mitarbeiterbegleitung und die disziplinarische Leitung.
Unsere Gemeinden und Gemeinschaften
Die Mitglieder und Freunde der EG gehören zu Gemeinden (Evangelische freie Gemeinden, Stadtmissionen) und Gemeinschaften, die in sechs Bezirken zusammengeschlossen sind.
Das Spektrum der Gemeinschaften und Gemeinden, die zur EG gehören, umfasst:
- Landeskirchliche Gemeinschaften
- eigenständige Gemeinschaften
- Evangelische Freie Gemeinden
Unsere Werte
1. Das Evangelium von Jesus Christus
- verkündigen wir bibeltreu, lebensnah, verständlich und gewinnend, um Menschen in eine lebendige Beziehung mit Jesus zu führen.
2. Evangelisation und Mission
- gehören aus Liebe zu Christus und den Menschen zu unserem Lebensstil und werden in der Gemeinde ständig betont und erneuert.
3. Unsere Veranstaltungen
- dienen der gemeinsamen Begegnung mit dem lebendigen Gott. Jesus Christus ist der Mittelpunkt. Wir ehren Gott durch gut vorbereitete Gottesdienste, in denen das Wort Gottes, Anbetung und Fürbitte und der Gesang einen festen Platz einnehmen, die eine starke Ausstrahlung ausüben und für alle eine bereichernde Erfahrung sind.
4. Unsere Atmosphäre
- ist einladend und familiär, unsere Frömmigkeit ist von der Freude an Jesus geprägt und wir lieben musikalische Vielfalt.
5. Familienfreundlichkeit
- gehört als unverzichtbares Wesensmerkmal zu unseren Gemeinden, denn Kinder und Jugendliche sind ein selbstverständlicher Bestandteil der christlichen Gemeinde.
6. Die verschiedenen Lebenssituationen
- von Alten und Jungen, Verheirateten und Alleinstehenden, Starken und Schwachen werden bei uns berücksichtigt. In dieser Spannung von unterschiedlichen Bedürfnissen wollen wir liebevoll Gemeinschaft leben und gemeinsam im Glauben wachsen.
7. Begeisterung und Ehrfurcht
- sind entscheidende Wesensmerkmale unserer Spiritualität. Geistliche Leidenschaft, Hingabe und Freude prägen uns ebenso wie Vertrauen, Ehrfurcht und Gehorsam gegenüber Jesus Christus.
8. Das Gebet
- erhält Priorität, indem wir immer wieder zu einem persönlichen Gebetsleben ermutigen und in motivierend gestalteten Gebetstreffen gemeinsam die Anbetung Gottes und die Fürbitte für die weltweite Mission und für die Anliegen um uns herum praktizieren.
9. Die Leiter
- konzentrieren sich in ihrem Dienst darauf, die Verantwortung für Lehre und Leben der Gemeinde zu übernehmen und andere Christen zum Dienst anzuleiten.
10. Gabenorientierung
- in der Mitarbeiterschaft soll dazu beitragen, dass jeder möglichst nach seinen Gaben eingesetzt wird und eine Aufgabenstellung wahrnimmt, in der er Gott und Menschen wirklich dienen kann.
11. Das Angebot von Kleingruppen
- ist darauf ausgerichtet, den realen Fragen und Bedürfnissen der Teilnehmer ganzheitlich zu begegnen: durch biblische Lehre, durch ein seelsorgerliches Miteinander und durch gelebte Nähe im Alltag, nicht zuletzt durch praktische Hilfe in persönlichen Nöten und Problemen.
12. Das biblische Gemeindeverständnis
- bleibt die Zielsetzung und der Beurteilungsmaßstab bei unserem Einsatz für eine zeitgemäße Gestaltung und gesellschaftsrelevante Ausrichtung von Gemeindeleben.
Unser missionarisch-diakonisches Profil
Die EG- Gemeinden und Gemeinschaften sind darauf bedacht, wie ein gesunder Organismus zu wachsen.
- Die Erwartung, dass alles Wachstum von Gott kommt, schließt zielgerichtetes Arbeiten und Planen nicht aus, sondern beides bildet eine Einheit.
- Im Zentrum der missionarischen Arbeit steht die Botschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus. Er hat uns dazu berufen, den Menschen seine Liebe, seine Erlösung und seinen Rettungswillen zu verkündigen.
- Die Sendung Jesu bestimmt unsere Arbeit. Er ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist (Lk. 19,10). Evangelisation und Mission sind nicht nur Teilaspekte neben anderen, sondern das Vorzeichen aller Arbeit.
- Formen und Methoden unserer evangelistischen Aktivitäten berücksichtigen die individuellen Lebenssituationen der Menschen, die wir für Jesus gewinnen wollen (1Kor. 9,20-22).
Wir gewinnen Menschen für Jesus
- durch ein glaubwürdiges, ganzheitliches und einladendes Lebenszeugnis der Gemeindeglieder in ihrem gesellschaftlichen Umfeld, vor allem aber in ihren persönlichen Beziehungen,
- durch evangelistische Aktionen,
- durch spezielle Gemeindeveranstaltungen für Menschen ohne Beziehung zu Gott,
- durch Ausweitung der bestehenden Arbeiten und durch Gründung neuer Gemeinden,
- durch die Wahrnehmung missionarisch-diakonischer Aufgaben im Umfeld. Diakonie ist ein wesentlicher Aspekt missionarischer Gemeindearbeit: Durch ganzheitliche Hilfe für Menschen in beschwerten oder notvollen Lebenssituationen7, verbunden mit Seelsorge und Verkündigung der biblischen Botschaft. Das Zeugnis der tätigen Liebe erreicht Menschenherzen für Jesus. Unsere Gemeinden bewähren sich dabei auch als Lebensraum für Menschen, die eher am Rande unserer Gesellschaft stehen.
In diesem Sinne definiert jede Gemeinde und Gemeinschaft spezifische Arbeitsziele und verfolgt deren Verwirklichung.
EG-Zentrum
Das EG-Zentrum in Radevormwald beheimatet nicht nur unsere Verwaltung, sondern bietet mit der Jugendbildungsstätte gute Rahmenbedingungen für Erholung, Begegnungen, Schulung, Freizeiten und Konferenzen.
Im Rahmen unserer Tagungsstätte bietet jbs:aufwärts, der intensivpädagogische Arbeitszweig der EG, ein spezielles Veranstaltungs- und Schulungsangebot an.
EG Kolleg
Schulung und Fortbildung nahmen in der Geschichte der EG stets einen wichtigen Stellenwert ein und haben auch für die Zukunft eine große Bedeutung.
Das EG Kolleg leistet in unserem EG-Zentrum in Radevormwald und nach Vereinbarung auch in den Gemeinden vor Ort
- als Schulungsprogramm der EG Fortbildung und Qualifizierung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und befähigt sie zum geistlichen Dienst in Gemeinde und Mission.
- Alle Schulung ist mit der gemeindlichen Basis verbunden. Gemeinde braucht Theologie und Theologie braucht Gemeinde!
- In den Schulungsangeboten geht es um die Einheit von Lehre und Leben, die vermittelten Inhalte sind theologisch qualifiziert und werden gleichzeitig praxis- und zeitnah vermittelt.
- Auf diese Weise wird für unsere Gemeinden eine kontinuierliche und ermutigende Mitarbeiterqualifizierung ermöglicht.
Unser Jugendwerk
Das Jugendwerk der EG verbindet unsere gemeindlichen Jugendkreise, setzt sich ein für die Integration von Kindern und Jugendlichen in die örtlichen Gemeinden und ist ein wichtiger Impulsgeber in die nachwachsenden Generationen hinein.
Die Referenten für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erreichen junge Menschen ihrem Alter gemäß mit dem Evangelium. Wesentlicher Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Begleitung örtlicher Mitarbeiter und die Bereitstellung von überörtlichen Angeboten (z.B. Schulungsmaßnahmen, Freizeitarbeit, Jugendfestival).
Partner der EG
Die EG arbeitet mit verschiedenen Werken und Verbänden zusammen. So gehören wir als Mitglied zum „Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband“, einem Dachverband, in dem 39 regionale Gemeinschaftsverbände mit ihren Einrichtungen und Werken zusammengeschlossen sind, die innerhalb der evangelischen Kirche und darüber hinaus arbeiten.
Außerdem versteht sich die EG auch als Teil der „Deutschen Evangelischen Allianz“, einem Netzwerk von evangelisch-reformatorisch gesinnten Christen aus verschiedenen Kirchen.
Neben vielen weiteren Kontakten zu befreundeten Missionswerken und Gemeindeverbänden, hat die die EG mit den folgenden Partnerorganisationen spezielle Kooperationsvereinbarungen getroffen:
- Neukirchener Mission
- Missionswerk Neues Leben
- Kontaktmission
- Gemeindegründungsinitiative „City-Mentoring-Programm“
Diese Kooperationsvereinbarungen regeln die konkrete Zusammenarbeit im Hinblick auf gemeinsame Projekte und Dienstbereiche.
Herausforderungen in der Zukunft
Auch angesichts einer zunehmenden Säkularisierung in unserer Gesellschaft und eines betonter auftretenden Atheismus widerstehen wir bewusst jeder Form der Resignation und dem Rückzug der Gemeinde aus dem öffentlichen Leben in geschlossene Kreise.
Aus der Erfahrung unseres Werkes von Gottes Führung in den zurückliegenden Jahrhunderten schöpfen wir Zuversicht und Kraft für ein Leben und Dienen im Horizont der Wiederkunft Christi.
Die bereits erkennbaren und noch unbekannten Herausforderungen in der Zukunft veranlassen uns weiterhin
- zu vermehrtem Vertrauen auf Gottes Hilfe,
- zu anhaltendem Gebet
- und zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit gleich gesinnten Partnern.
Mit dieser Perspektive wollen wir arbeiten und
- erneuern und beleben bestehende Gemeindestrukturen in geistlicher Weise,
- gründen neue Gemeinden und Gemeinschaften,
- fördern den Frieden unter den Christen,
- vertreten und verteidigen die biblische Wahrheit in Liebe,
- finden Antworten auf aktuelle Zeitfragen,
- verstärken bestehende diakonische Arbeiten und übernehmen neue diakonische Aufgaben,
- bewahren uns sowohl ein weites Herz, als auch ein sensibles Gewissen,
- und geben die Hoffnung auf Gottes Handeln nie auf.
Wir glauben,
- dass bis zur Wiederkunft Jesu Christi Gottes Wort verkündigt wird,
- Menschen zur Gemeinde Jesu hinzu gewonnen werden
- und das Reich Gottes sich ausbreitet –
- auch durch Verfolgung und Glaubensabfall hindurch.
Alle unsere Arbeit geschieht in dem Grundanliegen, dass wir etwas zum Lob Gottes in unserer Welt beitragen können.
Radevormwald, im Januar 2010